Insektenfreundliche Gartenrosen - Klaus Körber

Insektenfreundliche Gartenrosen - Ein wichtiger Beitrag zur Biodiversität

von Klaus Körber (Bayerische Landesanstalt für Wein- und Gartenbau)

Wildbiene Foto: Klaus Körber

Das Thema Bienenrosen begeistert derzeit viele Gartenfreunde, die damit die Biodiversität in ihrem Garten erhöhen möchten. Dabei werden vor allem ungefüllte oder halbgefüllte Sorten gepflanzt und mit geeigneten Stauden kombiniert. Auch unter den ADR-Rosen finden sich viele Sorten, die häufig von Insekten beflogen werden. Durch ihre lange Blütezeit und hohe Blattgesundheit bei gleichzeitigem Verzicht auf Pflanzenschutzmittelanwendungen können sie in unseren Gärten und im öffentlichen Grün einen wichtigen Beitrag zur Unterstützung der Biodiversität leisten.

Die Blütezeit der modernen Gartenrosen von Mitte Juni bis weit in den September hinein ist nahezu identisch mit dem Zeitraum, der von Imkern als „Sommertracht“ bezeichnet wird. Dieses Zeitfenster ist gerade für die Insektenwelt in Siedlungsbereichen schwierig, da die Auswahl an blühenden Pflanzen in vielen Gärten und im öffentlichen Grün immer geringer wird: Die Linden sind verblüht, Wiesen werden gemäht und die heimischen Gehölze bilden die ersten Früchte. Es ergibt daher Sinn, das Angebot an Blüten durch intelligente Pflanzungen in dieser Zeit zu erhöhen, um so der Insektenwelt ein kontinuierlich attraktives Nahrungsangebot zu bieten.

Die modernen, öfter blühenden Rosen können diese Kontinuität durch ihre Haupt- und Nachblüte über einen langen Zeitraum gewährleisten. Rosen sind in erster Linie Pollenlieferanten, da die Blüten nur sehr wenig Nektar enthalten. Sie leisten damit einen wichtigen Beitrag zur Versorgung von Bienen, Wildbienen, Hummeln und Schwebfliegen – um nur die bekanntesten zu nennen – mit hochwertigem Eiweiß. Wenn man mit offenen Augen durch den Garten geht, lassen sich die unterschiedlichsten Insektenarten auf Rosen beobachten.

Auch unterschiedliche Käferarten lassen sich sehr gut auf Rosen beobachten:

Gartenlaubkäfer Foto: Dr. Daniela Christ

Ein eher seltener Gast: Pinselkäfer auf Hedi Grimm (ADR-Rose 2014) Foto: Dr. Daniela Christ

Rosenkäfer auf Bienenweide Rosa (ADR-Rose 2017) Foto: Susanne Haslage

Rosenkäfer Foto: Dr. Daniela Christ

Ein wichtiger Aspekt an dieser Stelle: An den meisten Blüten, die von Honigbienen besucht werden, kann man mit etwas Geduld auch Wildbienen beobachten. Hierfür muss man zu unterschiedlichen Tageszeiten und, wenn möglich, unterschiedlichen Witterungsbedingungen beobachten, denn das Auftreten von (Wild-) Bienen ist von vielen Faktoren abhängig. Bei den an Rosen zu beobachtenden Wildbienen sind es vor allen Dingen die im Siedlungsbereich vorherrschenden Generalisten, die von attraktiven Rosensorten profitieren können. Dabei handelt es sich um Wildbienen, die nicht auf eine einzelne Nahrungspflanze spezialisiert sind, sondern sich mühelos von verschiedenen Blütenpflanzen ernähren können.

Dieses Wissen hat sich mittlerweile in der Gartenwelt herumgesprochen. Rosenfreunde suchen zunehmend Gartenrosen, die nicht nur lange blühen, duften, attraktiv, robust und pflegeleicht sind, sondern, im Sinne der Biodiversität, auch vielen Insekten als Nahrung dienen und im Herbst Vögeln und sonstigen Gartenbewohnern möglichst viele Hagebutten bieten. Die weitverbreitete Meinung dabei ist oft, dass ausschließlich ungefüllte Blüten von Bienen beflogen werden und nur diese automatisch zu Hagebutten führen. Diese Aussage ist so nicht richtig und muss unbedingt korrigiert werden!

Honigbiene auf FRIENDLY Purple (ADR-Rose 2021) Foto: Klaus Körber

„Mein "idealer" Rosengarten der Zukunft sollte traditionelles Wissen und wissenschaftliche Neuerung nicht gegeneinander ausspielen. Er sollte, je nach Geschmack des Gartenbesitzers, die guten alten Rosensorten mit den guten modernen Rosensorten vereinen. Vielfalt statt Einfalt, Toleranz im Rosengarten, auch gegenüber den staudigen Begleitpflanzen.“

Klaus Körber

Bienen suchen auch (halb-) gefüllte Rosen auf. Foto: Klaus Körber

Es stimmt nicht, dass halbgefüllte und nahezu ganz gefüllte Blüten von Insekten nicht besucht werden oder dass diese nur sehr wenige Hagebutten produzieren. Es gibt eine Vielzahl empfehlenswerter Gartenrosen mit mehr oder weniger stark gefüllten Blüten, die beim Abblühen ihre gelben Staubgefäße zeigen. Auch stark gefüllte Rosensorten werden nachweislich von Bienen beflogen, um den eiweißreichen Pollen zu ernten. Dies findet jedoch nur bei trockenen Wetterbedingungen statt, da die Blüten während längerer Regenperioden verkleben. In den trockenen Sommern der letzten Jahre konnte dieses Phänomen jedoch häufig beobachtet werden.

Das einfachste Erkennungsmerkmal dafür, ob eine Rosensorte von Insekten beflogen wird, ist die Bildung von Hagebutten, da die Befruchtung, wie bei den Rosengewächsen üblich, durch Insektenbestäubung erfolgt. Gerade bei den öfterblühenden Rosen, die nach dem ersten Blütenflor in der Regel stark zurückgeschnitten werden um Folgeflore zu stimulieren, ist dies nicht immer gleich zu erkennen. Dabei gibt es zahlreiche gefüllt blühende Sorten, die auch das Potential zur Bildung von Hagebutten haben. Lässt man die Rosen nach dem ersten Flor ungeschnitten durchwachsen, dann wird man in vielen Fällen überrascht sein, wie viele Sorten Hagebutten in unterschiedlichsten Formen und Farben ausbilden können. Der Besuch eines Rosariums im Spätherbst zeigt immer wieder, das sogenannte „nostalgische“ Rosen, obwohl stark gefüllt blühend, zahlreiche Hagebutten bilden können.

Es scheint bei Gartenrosen keinen eindeutigen Zusammenhang zwischen Blütenfüllung, Insektenbeflug und Hagebuttenansatz zu geben. Ein ähnlich diffuses Bild gibt es auch für die Präferenz einzelner Blütenfarben. Nach unseren Beobachtungen wird keine der gängigen Rosenfarben bevorzugt beflogen bzw. nicht besucht. Ob weiß, rosa, gelb, oder orange: Für allen Farben gibt es in unseren Beobachtungen zahlreiche Beispiele für regen Blütenbesuch und selbst die Farbe Rot, die von Honigbienen als Schwarz gesehen wird, ist bei Rosen überhaupt kein Problem und wird nach unserer Erfahrung ebenfalls häufig von (Wild-) Bienen besucht. Es fällt allerdings auf, dass vor allen die kräftig gelb leuchtenden, frisch erschienen Staubgefäße sehr attraktiv sind und stark besucht werden. Ob das an der gelben Farbe oder an der Frische des Pollens liegt, kann aus unserer Sicht nicht eindeutig beurteilt werden. Vielleicht liegt es ja an beiden Eigenschaften.

Honigbiene auf Alexander von Humboldt (ADR-Rose 2019) Foto: Dr. Daniela Christ

Honigbiene auf Golden Gate (ADR-Rose 2006) Foto: Dr. Daniela Christ

Schlange stehen für den wertvollen Pollen: Honigbienen auf Nautica (ADR-Rose 2017) Foto: Klaus Körber

Honigbiene auf Westzeit (ADR-Rose 2007) Foto: Klaus Körber

Ausgepflanzte und kräftig eingewurzelte Rosen können heißtrockene Sommer vergleichsweise gut überstehen. Wenn es uns gelingt, Rosengärten in der Zukunft als wenig Wasser verbrauchend, mit gesunden, ökologisch wertvollen Sorten ausgestattet und zusammen mit den bienenfreundlichen Stauden als biodiverse Inseln zu gestalten, dann haben wir sehr viel erreicht. Das muss unser Ziel sein: Weg von der Rose als stacheliges, krankes und viel Arbeit machendes Gehölz hin zu einem pflegeleichten und ökologisch wertvollen Gestaltungselement eines biodiversen Gartens.